Gobelinmanufaktur wird geschlossen

Als ich heute morgen aufstand und das Krümelmonster zur Kita brachte, ahnte ich nix Böses. Zurück zuhaus und am Frühstückstisch die Zeitung lesend, hat es mich fast erschlagen: Das Land Sachsen-Anhalt hat beschlossen, die Staatliche Textil- und Gobelinmanufaktur zu schliessen. Ein Traditionsunternehmen* mit, wie ich finde, sehr gutem Geschäftskonzept, welches erst vor einigen Jahren vom aktuellen Geschäftsführer umgesetzt wurde. Ausserdem arbeitet die Manufaktur an mehr als nur Gobelinrestaurationen. Es wird Garn selber gefärbt, Kundenaufträge verwirklicht, genäht, gewebt und und und.

Genau wie dem Kanzler der Burg Giebichenstein befremdet mich der Veröffentlichungstermin der Schliessung. Denn der Chef ist im Urlaub. Wie praktisch, dass der sich dann nicht zur Schliessung äußern kann. Alles so geplant, bin ich ganz sicher.

Heutzutage ist ja die Wertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft ein umkämpftes Thema. Die Akteure wollen natürlich davon leben können, aber von seiten der Politik und Wirtschaft wird da fleißig gegengearbeitet. Initiativen wie die des Bundes sind meiner Meinung nach nur ein Tropfen auf den heißen Stein und verändert an der Wertschätzung von Handwerk, Handarbeit und Kunst nicht viel und wenn, dann nur langsam.

Ich hatte dieses Jahr ein Praktikum in der Manufaktur gemacht, weil ich gerne Weben lernen möchte und konnte so die Mitarbeiter dort kennenlernen. Allesamt hochqualifizierte und topp ausgebildete Menschen und das alles in Handwerken, die uralt und fast vergessen sind. Ganz beeindruckt war ich von dem Lehrling, der gerade ins zweite Lehrjahr kam und sich schon so viel Praxis und Wissen angeeignet hatte (inklusive Auslandspraktikum in Belgien), um den defekten Jaquardwebstuhl zu reparieren und wieder in Gang zu setzen. Mal ehrlich, welcher Chef wünscht sich nicht solche engagierten und motivierten Mitarbeiter!? Auch andere Mitarbeiter leisten aussergewöhnliche Arbeit, machen Überstunden und werkeln noch zu Hause weiter an Projekten wie für den Tag der offenen Tür** während der Jahresausstellung der Burg.

Wenn man dem Zeitungsbericht Glauben schenken darf, werden die Mitarbeiter von der Burg übernommen. Ich hoffe es, denn deren KnowHow würde sonst verloren gehen, nicht zuletzt auch zum Schaden der Studenten.

 

* was nicht erwähnt wird, ist, dass die Manufaktur schon zu DDR Zeiten und davor bestand…
** älterer Artikel, aber lesenswert.

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