Plastikfrei leben

Seit ich den Blog Leben ohne Plastik lese, habe ich mir viel Gedanken gemacht, wie das in unserem Fall zu bewerkstelligen wäre. Als nächsten Schritt googlet man ja weiter, um mehr Ideen zu sammeln, wie das geht und wie andere es schaffen (oder auch nicht). Und da habe ich sofort eine Reportage über eine Grazer Familie angeschaut und muss denen in vielen Punkten Recht geben, denn eine gründliche Planung ist das A und O. Denn „von heute auf morgen kann man damit nicht anfangen; es gibt ja hundert Sachen, die man garnicht ohne Plastikverpackung bekommt“.

Ein schönes Zitat aus dem SZ-Artikel, das ich richtig finde und einem beim Selbstversuch im Hinterkopf bleiben sollte: „Wir haben ja nicht alles weggeworfen, was wir damals besaßen, das wäre Wahnsinn gewesen“, sagt die 40-Jährige, „was vorhanden war, wird benutzt, bis es kaputt ist. Und dann, wenn möglich, plastikfrei ersetzt.“ Und: „Mit dem Spaß ist das allerdings so eine Sache, denn ein Selbstversuch, der die ganze Familie einbindet und die Veränderung eingeübter Muster erfordert, bedeutet gewöhnlich in erster Linie Recherche, Selbstbescheidung, Verzicht, Aufwand.“

Trotzdem bleibt die Frage: Wo anfangen? Denn: „Für manche Dinge gibt es einfach keinen Ersatz. – Ich sitze gerade in unserer Küche. Warum also nicht mal schauen, was mir auf den ersten Blick auffällt, das aus Plastik ist und ersetzt werden kann? Da wären die Tupperdosen. Die kann man einfach mit Mehrweggläsern ersetzen, die wir auch da haben. Viele Dinge in unserer Küche sind sowieso aus Edelstahl, Holz und Glas, weil wir den Mix so schön finden. Da haben wir bei der Anschaffung nicht über die Umwelt nachgedacht, hat aber nun doch einen angenehmen Nebeneffekt. Aber trotzdem gibt es viel Plastik in diesem Raum. Da ist die Kaffeemaschine, der Toaster, der Alufolienspender (den man eigentlich entsorgen könnte, denn wir benutzen vielleicht alle Jubeljahre mal die Alufolie), die Mikrowelle, der Drucker und Laptop, Lebensmittelverpackungen, Steckdosen und Lichtschalter, der Kinderhochstuhl (von IKEA – da gibts viel Plastik!!!), die Spülbürste, die Spülmaschinentabs sind zwar in einem Pappkarton aber nochmal extra in Folie eingeschweisst – jedes Einzelne! Und es hört nicht auf: der Mülleimer, die Lätzchenjacke fürs Kind, der Wasserkocher, mein Thermobecher, Kochbesteck für die Pfanne… Und ich hab ganz sicher was übersehen! Das ist doch gruselig. So viel aufgezählt und ich habe nur an die Küche gedacht. Was kann man nun davon austauschen? Tja, die Elektrogeräte erstmal nicht. Aber das Kochbesteck gibts auch aus Holz (ich nehme sowieso lieber die Holzlöffel als den Plastepfannenwender), die Wasserflaschen auch aus Glas, Lätzchen haben wir auch viele aus Stoff (die sind aber in der Kita). Die Joghurtlöffel aus Plastik nimmt der Mann immer für die Arbeit. Warum er keine aus Metall mitnimmt, weiß ich nicht. Seine Brotdose ist auch aus Plastik. Beides kann man austauschen. Die Plastikbecher fürs Kind müssen erstmal bleiben, denn Gläser gehen beim Runterfallen gerne mal kaputt. Und die Scherben muss ich bei einem 1,5 Jährigen nicht unbedingt haben. Aber phtalatfrei sind sie. Auf das achte ich sehr, wenn es denn etwas aus Plastik fürs Kind gibt.

Da muss ich sofort an seine Spielzeugecke im Wohnzimmer denken! Ich habe persönlich ausser Sandspielzeug und einem Bobby Car noch kein Plastikspielzeug selbst gekauft, sondern nur welches aus Holz. Das wissen auch Freunde und Verwandte und kaufen kein Plastik. Trotzdem ist welches da. Die Gartenwippe (ein Elefant), jedoch praktisch, weils ja draußen steht. Badespielzeug. Naja, aus Metall oder Holz wäre ja Quatsch. Oder zum Beispiel der Stehaufclown. Der ist aus Plastik, aber noch aus den Kindertagen des Mannes. Der Musiktisch von Fisher Price war ein Geschenk, dass bald weiter vererbt wird. Dann hört es schon auf mit den Plastespielsachen. Zu Hause jedenfalls, denn in der Kita kann ich ja nichts machen…

Weiter gehts im Wohnzimmer. Da ist auch genug aus Plastik. Die Blumengießkanne, der Fernseher, das Telefon, die Boxen der Musikanlage. Ach du meine Güte!!! Unsere Fenster. Ja, die sind aus Plastik. Kein 5-Minuten-Akt, die auszutauschen. Obwohl mein Mann sicher Feuer und Flamme dafür wäre, welche aus Holz einzubauen. Aber solange wir das Dachgeschoss nicht fertig haben… Aber ich glaube, dann hat er erstmal genug vom Bauen und vom Dreck… Alles was wir neu gemacht haben, ist aber meist aus Holz. Unsere Türen sind Echtholz, die Garnituren aus Edelstahl. Unsere Böden sind Landhausdielen. Die haben wir freigelegt unter Laminat, Teppichen und so, geschliffen und geölt – ein Traum (außer wenn man die quietschenden Bretter erwischt). Unsere Möbel sind fast alle aus Holz. Ich habe eine Billy-Bücherwand. Über die Inhaltsstoffe möchte ich da jetzt nicht nachdenken. Da hört man ja „nette“ Sachen über den Schweden… Unsere Lampen sind alle aus Edelstahl, die LEDs haben aber sicher viel Plastik drin. Dafür verbrauchen wir, wenn wir unser gesamtes Haus beleuchten und alles eingeschaltet haben, weniger Watt als meine Mutter in ihrer Küche. Und ich rede jetzt von einer einzigen Lampe, die mehr verbraucht, als unsere drei Etagen.

Jetzt habe ich mir gerade einen Tee gemacht und festgestellt, dass die Beutel meines Bronchialtees in Plastik eingeschweisst sind. Andere Tees bei uns sind in kleinen Papiertütchen. Die meisten Kräutertees sind aber gesammelt und getrocknet und in Gläsern. Ergo: Ich werde, nachdem diese Packung Bronchialtee aufgebraucht ist, zusehen, eine Marke zu finden, die ohne Plastik auskommt. Das muss es ja geben. Am einfachsten sicher im Teeladen, oder? Memo an mich selbst: einen Teeladen in der Nähe finden.

Das ist auch so ein Ding. Die Nähe. Auf dem Blog Leben ohne Plastik habe ich viel von Wochenmärkten, Fleisch- und Käsetheke gelesen. Man nimmt sich seine eigene plastikfreie Verpackung mit und packt den Einkauf dann da rein. An sich eine super Idee. Wenn da nur nicht die Fahrerei wäre, denn wir leben auf dem Land – ohne Markt etc. Ich kaufe immer im Supermarkt und muss dafür immer mit dem Auto fahren. Meine Mutter z.B. ist selbsternannte Schnäppchenjägern, markiert sich immer die Angebote und fährt von Laden zu Laden um die besten Preise abzustauben. Das mache ich nicht. Meine Zeit ist mir zu schade und mein Benzin. Denn was nützt es bei einer Käsepackung 20 Cent zu sparen, aber das dann beim Benzin draufzuschlagen. Die Umweltbelastung durch die ganze Fahrerei und ganz zu schweigen, was das arme Auto bei diesen Kurzstrecken mitmachen muss. Ich kaufe immer im großen Supermarkt; Angebote interessieren mich eigentlich nicht, weil ich auf meinem Zettel immer Dasselbe habe. Und ich will alles in einem Abwasch erledigt haben. Der Nachteil Supermarkt ist aber, dass so ziemlich alles, was wir so kaufen, in Plastik verpackt ist. Ich habe eine Liste von Lebensmitteln und so, auf der ich die Preise notiert habe. Ich werde beim nächsten Einkauf vergleichen, ob sich die Wurst an der Fleischtheke lohnt zu kaufen um auf Plastik zu verzichten. Ich sehe da nur folgende persönliche Probleme: a) mein Mann arbeitet in zwei Schichten, nimmt belegte Brote mit und hat einen unwahrscheinlichen Wurstbedarf (ich ja nicht so…) und b) ich weiß nicht, ob ich es finanziell schaffe, dann beim Fleischer einzukaufen oder auf dem Wochenmarkt, wo die Preise logischerweise viel viel höher sind. Ich will das den Händlern da auch nicht anlasten. Ich bin dafür, dass die das Geld für ihre Ware bekommen, was sie auch wert ist. Das Thema Wertschöpfung in Deutschland ist ja so eine Sache. In jeder Branche muss man sich peinlichst rechtfertigen, warum ein Qualitätsprodukt nunmal mehr kostet, als der Billig-Massen-Import aus Fernost. Die Menschen wollen billig einkaufen. Das geht aber zu Lasten der Natur und ärmerer Menschen, die ja auch irgendwie leben müssen. Viele wollen das aber nicht verstehen. Vor allem wenn um Butter oder Milch oder so geht… Deswegen höre ich so gerne den Podcast von Distel, die sich in ihren Rubriken viel mit solchen Themen beschäftigt.

In einem weiteren Artikel werde ich mal eine Liste anlegen, von Sachen, die mir spontan einfallen, aus Plastik sind und austauschbar sind. Der wird ganz bestimmt wachsen und hoffentlich auch immer mehr durchgestrichene Stichpunkte beinhalten. Über Tipps und Kommentare bin ich überigens sehr dankbar. An viele Sachen denkt man nämlich nicht, weil man sich zu sehr dran gewöhnt hat und sie einem nicht in die Augen fallen.

Ach, doch noch nicht fertig. ich grübele grad übers Bad nach… Warum ist Toilettenpapier & Co eigentlich in Plastik verpackt? Das Zeug ist doch aus Papier, dass kann doch in Recyclingpapier eingepackt sein! Oh Gott! Wo kriegt man denn Tampons ohne Plastik drumrum? Und was mache ich mit dem Scheibenwischdings aus unserer Dusche? Der Wäschekorb ist auch aus Plastik, auch der kleine Hygieneeimer; die Zahnbürste (der Becher nicht; ist aus Edelstahl, wie alle diese Sachen bei uns…), aber die Haarbürste (gut, die ist leicht zu ersetzen; ich wollte schon immer so ein coole aus Echthaarborsten!), der Hocker fürs Kind; das Töpfchen fürs Kind. Den Toilettendeckel werden wir nicht los. Den liebt mein Mann, der senkt sich selber ab… Der Fön, der Rasierapparat, die Cremedöschen (ich hab einige aus Glas…) – das hört und hört nicht auf!

So ein Projekt, das ja nachhaltig sein soll, kann man echt nicht ohne Weiteres beginnen. Ich mache eine Liste und dann wird nach und nach rigoros sortiert! Updates gibts dann hier aufm Blog!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Plastikfrei leben

  1. Guck mal auf Kulmine.de, da gibts Schwämmchen und Stoffbinden, ich benutze diese Kombi seit Jahren und bin sehr zufrieden, man kommt aber in Kontakt mit seinem Mondblut, das ist nicht Jedermanns Sache. Ich bin auch grad angefangen mal den Plastikkram auszutauschen und suche grad einen Toaster aus komplett Edelstahl…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s